Versorgungsausgleich bei Scheidung: Das musst du wissen

Versorgungsausgleich bei Scheidung: Das musst du wissen

Ein Versorgungsausgleich bei Scheidung – was ist das eigentlich und warum ist er so wichtig? In diesem Artikel erkläre ich dir alles, was du über den Versorgungsausgleich wissen musst, wie er berechnet wird und warum er gerade für die finanzielle Zukunft nach der Scheidung entscheidend ist.

Mit konkreten Zahlenbeispielen zeige ich dir, wie der Ausgleich der Rentenansprüche funktioniert und welche Auswirkungen er auf deine Altersvorsorge haben kann.

1. Was ist der Versorgungsausgleich?

Der Versorgungsausgleich ist ein wichtiger Bestandteil der Scheidung, bei dem die während der Ehezeit erworbenen Rentenansprüche zwischen den beiden Ehepartnern aufgeteilt werden. Ziel ist es, eine faire Verteilung der während der Ehezeit erarbeiteten Rentenansprüche zu erreichen, um einer der Parteien, die während der Ehe weniger in die Altersvorsorge eingezahlt hat, eine gerechtere Absicherung für das Alter zu bieten.

Der Versorgungsausgleich betrifft nicht nur gesetzliche Rentenansprüche, sondern auch private Rentenversicherungen, Betriebsrenten und andere Vorsorgeansprüche.

2. Wie wird der Versorgungsausgleich berechnet?

Die Berechnung des Versorgungsausgleichs erfolgt in zwei Schritten:

  1. Ermittlung der Rentenanwartschaften: Zuerst wird ermittelt, wie hoch die Rentenansprüche beider Ehepartner während der Ehezeit sind. Dabei zählen alle Zeiten der Rentenansprüche, die während der Ehezeit erworben wurden.

  2. Ausgleich der Anwartschaften: Die Rentenanwartschaften beider Ehepartner werden miteinander verglichen. Derjenige, der während der Ehe mehr Rentenansprüche erworben hat, muss den Überschuss an den anderen Ehepartner übertragen.

Die Hälfte des Überschusses wird dem anderen Ehepartner gutgeschrieben.

3. Praxisbeispiel zur Berechnung des Versorgungsausgleichs

Nehmen wir an, du und dein Ex-Partner habt 10 Jahre zusammengelebt und in dieser Zeit Rentenansprüche erworben. Im Folgenden ein Beispiel, wie der Versorgungsausgleich in der Praxis aussehen könnte:

  • Ehemann (Ehemann 1) hat während der Ehezeit 100.000 Euro an Rentenansprüchen erworben.
  • Ehefrau (Ehemann 2) hat während derselben Zeit 50.000 Euro an Rentenansprüchen erworben.

Nun wird der Versorgungsausgleich durchgeführt:

  • Die Differenz der Rentenanwartschaften beträgt: 100.000 € – 50.000 € = 50.000 €
  • Der Ehemann 1 (mit mehr Rentenanwartschaften) muss 50.000 € / 2 = 25.000 € an die Ehefrau abgeben.

In diesem Fall würde die Ehefrau 25.000 Euro an Rentenansprüchen von ihrem Ex-Partner erhalten. Das bedeutet, dass sie in der Zukunft mehr in ihre Altersvorsorge investieren kann, während der Ehemann entsprechend einen Teil seiner Rentenansprüche an die Ehefrau abgibt.

4. Wann wird der Versorgungsausgleich durchgeführt?

Der Versorgungsausgleich wird in der Regel automatisch im Scheidungsverfahren durchgeführt. Er wird direkt im Scheidungsurteil berücksichtigt, sodass beide Parteien wissen, wie ihre Rentenansprüche verteilt werden.

Es ist wichtig zu beachten, dass der Versorgungsausgleich nicht immer auf einem einzigen Konto „abgerechnet“ wird. Vielmehr erfolgt eine Gutschrift auf den jeweiligen Rentenkonten des Ehepartners. Sollte einer der Ehepartner eine private Rentenversicherung oder betriebliche Altersvorsorge haben, wird auch diese berücksichtigt.

5. Was passiert, wenn Rentenansprüche nicht aufgeteilt werden?

Falls der Versorgungsausgleich im Scheidungsverfahren nicht berücksichtigt wird, kann er später nachgeholt werden. In diesem Fall müssen jedoch weitere rechtliche Schritte unternommen werden, was mit zusätzlichen Kosten und Aufwand verbunden ist. Es ist also immer ratsam, den Versorgungsausgleich bereits im Scheidungsverfahren zu klären.

6. Versorgungsausgleich und Rentenlücke

Es kann sein, dass du nach einer Scheidung aufgrund des Versorgungsausgleichs plötzlich eine geringere Rente erhältst, da du weniger Rentenansprüche erworben hast. Wenn du während der Ehe nicht ausreichend in die Rentenversicherung oder andere Altersvorsorgeprodukte eingezahlt hast, könnte dies zu einer Rentenlücke führen.

Beispiel:

  • Vor der Scheidung hattest du Rentenanwartschaften in Höhe von 50.000 €.
  • Nach dem Versorgungsausgleich erhältst du nur noch 25.000 € Rentenanwartschaften, da dein Ex-Partner einen Teil erhalten hat.
  • Deine Rentenlücke beträgt nun 25.000 €, was sich langfristig auf deine monatliche Rente auswirkt.

Die Lösung könnte darin bestehen, sich nach der Scheidung stärker um die eigene Altersvorsorge zu kümmern – durch private Rentenversicherungen, Betriebsrenten oder andere Sparprodukte.

Der Versorgungsausgleich bei Scheidung sorgt dafür, dass beide Ehepartner gerecht an den während der Ehe erworbenen Rentenansprüchen beteiligt werden. Die Berechnung erfolgt nach dem Prinzip der hälftigen Aufteilung der Differenz der Rentenanwartschaften. Es ist wichtig, den Versorgungsausgleich im Scheidungsverfahren zu klären, um spätere rechtliche Schritte zu vermeiden.

Gerade nach einer Scheidung ist es wichtig, die eigene Altersvorsorge im Blick zu behalten, um keine finanziellen Nachteile zu erfahren. Die frühzeitige Planung und eine verständliche Berechnung des Versorgungsausgleichs helfen dir, deine finanzielle Zukunft langfristig zu sichern.

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