Wenn es um die finanzielle Seite einer Ehe geht, spielt der Güterstand eine entscheidende Rolle. Die meisten Paare denken bei der Hochzeit nicht darüber nach – bis es zur Trennung oder Scheidung kommt. Was gehört wem? Was wird aufgeteilt? Genau hier kommt die Frage ins Spiel: Gütertrennung oder Zugewinngemeinschaft?
Ich selbst habe mich damals nicht groß mit dem Thema beschäftigt. Wir haben ganz klassisch ohne Ehevertrag geheiratet – und das bedeutete automatisch: Zugewinngemeinschaft. Erst mit der Trennung wurde mir klar, wie wichtig es ist, sich mit diesen Unterschieden frühzeitig auseinanderzusetzen.
In diesem Artikel erkläre ich dir die wichtigsten Unterschiede, welche Vor- und Nachteile es gibt und wann eine Gütertrennung sinnvoll sein kann.
1. Zugewinngemeinschaft – der Standard ohne Ehevertrag
Wenn kein Ehevertrag abgeschlossen wird, gilt in Deutschland automatisch die Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet:
✔ Jeder behält sein eigenes Vermögen, auch nach der Hochzeit.
✔ Es wird nicht alles automatisch „geteilt“.
✔ Nur der Zugewinn während der Ehe wird im Falle einer Scheidung ausgeglichen.
🔹 Beispiel:
Anna und Markus heiraten. Anna hat vor der Ehe 20.000 € Ersparnisse, Markus besitzt bereits eine Eigentumswohnung im Wert von 200.000 €. Während der Ehe spart Anna weitere 30.000 €, Markus zahlt sein Haus ab, das nun 250.000 € wert ist.
➡ Berechnung des Zugewinnausgleichs:
- Anfangsvermögen Anna: 20.000 €, Endvermögen: 50.000 € → Zugewinn: 30.000 €
- Anfangsvermögen Markus: 200.000 €, Endvermögen: 250.000 € → Zugewinn: 50.000 €
- Differenz der Zugewinne: 50.000 € - 30.000 € = 20.000 €
- Anna hat weniger Zugewinn gemacht → Sie bekommt die Hälfte der Differenz: 10.000 € von Markus
👉 Wichtig: Ererbtes Vermögen oder Schenkungen während der Ehe werden nicht als Zugewinn gewertet.
✅ Vorteile der Zugewinngemeinschaft:
- Fairer Ausgleich, falls ein Partner finanziell zurücksteckt (z. B. wegen Kinderbetreuung).
- Keine komplizierten Regelungen nötig – es passiert automatisch.
- Gilt für die meisten Paare als gerechte Lösung.
❌ Nachteile:
- Falls einer sehr viel verdient oder Vermögen aufbaut, muss er/sie im Trennungsfall einen Ausgleich zahlen.
- Unternehmen und Immobilien können problematisch sein, wenn der Zugewinnausgleich hohe Summen ausmacht.
2. Gütertrennung – jeder behält, was er verdient
Bei der Gütertrennung bleibt das Vermögen strikt getrennt. Alles, was jeder mit in die Ehe bringt oder währenddessen verdient, gehört ihm allein – auch nach einer Scheidung.
🔹 Beispiel:
Sophie und Tom heiraten mit einem Ehevertrag, der die Gütertrennung festlegt. Tom besitzt bereits ein Haus, Sophie hat ein gut laufendes Unternehmen. Nach der Trennung behält jeder sein Eigentum – es gibt keinen Zugewinnausgleich.
✅ Vorteile der Gütertrennung:
- Klare Trennung von Vermögen, kein Streit über Ausgleichszahlungen.
- Schützt Unternehmer*innen oder Vermögende vor hohen Zugewinnausgleichsansprüchen.
- Ideal für Paare, die finanziell unabhängig bleiben wollen.
❌ Nachteile:
- Kein Ausgleich, wenn ein Partner beruflich zurücksteckt (z. B. wegen Kindererziehung).
- Einer kann finanziell stark benachteiligt sein, wenn er/sie während der Ehe nicht so viel verdient hat.
3. Was ist besser – Zugewinngemeinschaft oder Gütertrennung?
Wann ist Zugewinngemeinschaft sinnvoll?
✔ Wenn beide Partner ungefähr gleich verdienen.
✔ Wenn einer die Kinderbetreuung übernimmt – so wird ein Ausgleich geschaffen.
✔ Wenn man kein großes Vermögen mit in die Ehe bringt.
Wann ist Gütertrennung sinnvoll?
✔ Wenn beide Partner finanziell unabhängig bleiben wollen.
✔ Wenn ein Partner ein Unternehmen besitzt und es im Trennungsfall nicht teilen möchte.
✔ Wenn hohe Vermögenswerte (z. B. Immobilien, Erbschaften) geschützt werden sollen.
💡 Alternative: Modifizierte Zugewinngemeinschaft
Ein Ehevertrag kann bestimmte Werte von der Zugewinnberechnung ausschließen. Zum Beispiel kann festgelegt werden, dass ein Unternehmen oder Immobilien aus dem Zugewinnausgleich herausgenommen werden.
4. Fazit: Ehevertrag ja oder nein?
Ob Gütertrennung oder Zugewinngemeinschaft die bessere Wahl ist, hängt stark von der individuellen Situation ab.
- Wenn du und dein Partner ähnlich verdienen und kein großes Vermögen mitbringt, ist die Zugewinngemeinschaft oft fair.
- Wenn du Unternehmer*in bist oder hohe Werte schützen möchtest, kann eine Gütertrennung die bessere Wahl sein.
- Ein Ehevertrag kann viele Probleme vermeiden – gerade wenn Kinder, Immobilien oder ein eigenes Business im Spiel sind.
📌 Mein Tipp: Lass dich frühzeitig beraten! Eheverträge sind nicht unromantisch – sie sind eine kluge Absicherung, falls das Leben anders verläuft als geplant.